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Die ersten zwei Wochen in Playas

Mittlerweile bin ich bereits seit genau zwei Wochen in Playas und fühle mich schon so anders als bei meiner Ankunft.

Nachdem mich kurz vor meiner Abreise, Packstress, Angst vor dem Abschied und Nervosität wachhielten, verläuft der Tag der Abreise doch relativ problemlos. Der komischste Moment ist der, als ich durch die Bordkartenkontrolle gehe und weiß, dass ich es jetzt auf mich alleine gestellt war. Trotz 4kg Übergepäck werde ich dann ins Flugzeug gelassen. Da ich müde bin und immer wieder im falschen Moment einschlafe, verpasse ich beide Male, an denen Essen ausgeteilt wurde und komme hungrig in Amsterdam an.Am nächsten Morgen treffe ich Esther und wir steigen in das Flugzeug, um 11h nach Guayaquil mit Zwischenlandung in Quito zu fliegen. Von der Höhenluft in Quito bekommen wir zwar nichts mit, aber es ist schon spannend durch den Flughafen zu laufen, der sich mit kleinen bunten Souvenirshops von europäischen Flughäfen sehr unterscheidet, und die Berge vor den Flughafenfenstern zu sehen. Ein paar Stunden später werden wir dann am Flughafen in Guayaquil von den anderen Freiwilligen mit Jubel begrüßt. Esther bleibt in Guayaquil im Guasmo und für mich geht es nach Playas. Wir fahren mit dem Bus und trotz der unglaublich lauten Ballerfilme, von denen ich schon in Sophias Blog gelesen hatte, kann ich noch einmal einschlafen und wache in Playas wieder auf. Dort nehmen wir dann ein Taxi zum Haus meiner Gastfamilie und ich bekomme zum ersten Mal mit, dass es hier völlig normal ist, sich mit zu vielen Leuten in ein Taxi zu quetschen und sich nicht anzuschnallen.

Der erste Eindruck meiner Gastfamilie ist super. Sofort sagen sie mir, dass ich jetzt ein Teil der Familie bin und gemeinsam mit den anderen Freiwilligen sitzen wir im Wohnzimmer zusammen und bekommen heiße Schokolade und viel zu süßes Brot. Die Sprache ist noch ein Hindernis, aber noch sind die anderen ja dabei, um mir zu helfen. Meine Gastfamilie ist klein, ich habe eine kleine 4jährige Schwester, die Amalia heißt und mich sofort ‚hermanita‘ nennt und zwei Eltern, Mariuxi und Anibal, die auch total nett wirken. Wir haben ein Wohnzimmer, in dem die Eltern mit der Tochter schlafen, ein Zimmer, das extra für mich freigeräumt wurde, mit einem riesigen Bett, ein kleines Bad und unten eine Küche. Die Zimmer sind schön eingerichtet, es gibt zwei große Fernseher, auf den ersten Blick nicht groß anders als in Europa. Nur das Bad ist dreckig, worin ich mich noch nicht so ganz wohlfühle.Am nächsten Morgen wache ich früh auf und bekomme zum Frühstück wieder süßes Brot. Danach winkt mich meine Gastfamilie nach draußen und auf einmal sitzen wir im Auto und fahren in die Cabaña meiner Gasteltern, ein kleines Restaurant mit Hängematten am Strand. Dort lerne ich auch Brayon und Fernanda kennen, zwei Geschwister, die in der Cabaña arbeiten. Der jüngere der beiden versucht sich auch mit mir zu unterhalten, was noch nicht wirklich gut funktioniert, weil ich kaum etwas verstehe. Gleich werde ich auch mit einer unschönen Seite des Lebens hier konfrontiert, als er mir ein Video von einer Freundin von ihm zeigt, die bei einem Motorradunfall am Tag zuvor ums Leben gekommen ist. Danach fahren wir ins Casique, dem Kulturzentrum von Playas, in dem wir unterrichten und in dem zusätzlich Tanz-und Bastelkurse stattfinden. Da ich am Morgen nicht so wirklich verstanden habe, was passiert, habe ich noch FlipFlops an und sandige Füße, was wir laut der Projektleitung vermeiden sollten. Gleich werde ich auch ins kalte Wasser geschmissen, da mich Julia fragt, ob ich schon einen Schüler von ihr unterrichten kann, da sie keine Zeit mehr hat. Obwohl ich total überfordert bin mit der Situation, versuche ich und ist am Ende wirklich nicht so schlimm. Zum Mittagessen geht es dann wieder in die Cabaña, wo das Essen noch nicht ganz fertig ist, weshalb mir Brayon ein bisschen etwas am Strand zeigt – oder es trotz der Sprachhindernisse versucht.

 

Strand in Playas

Das Essen besteht aus Tomatensaft, einer Suppe und aus einem Riesenteller Reis, Fleisch und Gemüse, welchen ich gerade mal zur Hälfte schaffe. Nach dem Essen geht es wieder ins Cacique, wobei ich auch den ersten Sonnenbrand bekomme, da ich die Sonne total unterschätzt habe.

Die Cabaña

Am Abend soll eine Fiesta in der Cabaña stattfinden, die gleichzeitig Geburtstagsfeier für eine Freundin meiner Gasteltern und Willkommensfeier für mich ist. Dort angekommen, alle in weiß gekleidet, wie es der Dresscode vorgibt, tanzen wir etwas Salsa und andere ecuadorianische Tänze (was ich noch nicht wirklich kann), bekommen Abendessen, singen zwei Stücke und erleben live einen Heiratsantrag, der sofort von allen Gästen gefilmt wird. Auch Nina und Luka, die Freiwilligen aus Olon sind dabei, da es am Wochenende eine Veranstaltung mit allen Projekten geben soll.

Am nächsten Morgen kommen die Freiwilligen aus dem Guasmo und wir gehen am Strand Müll sammeln, um mit den Kindern daraus Instrumente zu basteln. Es entstehen zahlreiche Querflöten, Rasseln, Castagnetten und ein paar andere Instrumente. Das ganze Wochenende ist ein einziges Chaos und alles, was vorher organisiert wurde, wird wieder über den Haufen geworfen. Das Abschlusskonzert findet eine Stunde früher als geplant an einem anderen Ort als auf dem Flyer steht, statt, sodass alle Leute, die zusehen wollten, das Konzert verpassen. Am Abend des Konzertes habe ich das erste Mal ein Erfolgserlebnis mit der Sprache, da Julias Mutter vorbeikommt, die mit meiner sehr gut befreundet ist, und ich sie gut verstehe und mich sogar etwas mit ihr unterhalten kann.Am nächsten Tag stehe ich erst auf, als alle schon weg sind und fahre das erste Mal alleine mit einem Trici, kleinen gelben Fahrzeugen, bei denen eine Fahrt 50cent kostet.

 

Tricimoto

Da am Morgen niemand von meinen Schülern kommt, habe ich ein bisschen Zeit mich umzuschauen und mit meiner Familie zu telefonieren. Nachmittags kommen dann Schüler und ich merke schnell die Unterschiede zwischen ihnen. Von meinem ersten Schüler bin ich sehr überrascht, da er schon Noten lesen kann und alles schnell nachmacht, sodass wir sogar schon vierhändig spielen können. Da wir zuhause nie kochen, essen wir abends in einer Cevicheria und fahren danach noch bei Julia vorbei und mit deren Mutter noch etwas durch die Gegend. Meine Gastfamilie fährt öfters einfach so durch die Gegend, auch wenn es nur zum Reden ist oder zum Telefonieren einmal um den Block.

Mein Alltag hier:

Nach zwei Wochen habe ich mich schon ganz gut eingelebt, mit der Sprache wird es immer einfacher. Oft verstehe ich immer noch nichts, aber wenigstens kann ich meistens sagen, was ich ausdrücken will. Langsam verstehe ich auch wie meine Gastfamilie tickt. Anfangs war ich mir dauernd noch unsicher, ob es okay ist, wenn ich zu bestimmten Zeiten nicht da bin, sondern etwas unternehme, aber ich glaube, meistens sind sie froh darüber, da sie selbst viel zu tun haben.Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag unterrichten wir im Casique. Morgens fängt es um 10 oder etwas früher an und nach der Mittagspause geht es um 15 Uhr weiter bis 20 Uhr. Freitags leitet Sophia einen Chor, in dem wir gerade We Are The World singen und danach spielen wir gemeinsam mit den Schülern Fußball. Ich habe über 20 Schüler und dauernd gibt es neue Anfragen, für die ich aber leider keinen Platz mehr habe. Der Unterricht kann sowohl Spaß machen, als auch anstrengend sein. Ich habe Schüler im Alter von 4-60 Jahren, fast alles aber nur Anfänger.

Mittags fahre ich zum Essen mit einem Trici in die Cabaña und laufe danach wenn möglich nach Hause, da meine Gastfamilie sich kaum zu Fuß bewegt, sondern dauernd mit dem Auto unterwegs ist. An den Lärm habe ich mich ganz gut gewöhnt, es gehört schon fast dazu, dass der Hahn nebenan Tag und Nacht durchkräht und dass das Müllauto mit Musik vorbeifährt. Woran ich mich noch nicht gewöhnt habe, ist das eiskalte Duschen, das hoffentlich erträglicher wird, wenn es hier Winter, bzw. Sommer wird.

Mit meiner Gastschwester
Beim Unterrichten im Cacique
Leguan im Stadtzentrum

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