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Kleines Update aus der Isolation

Halloechen in der Coronakrise.

Viel gibts aus Ecuador leider nicht zu berichten, da das Leben hier quasi still steht. Das Haus darf nur noch zum Einkaufen oder fuer den Besuch beim Arzt verlassen werden, ab 16 Uhr gilt die totale Ausgangssperre. Wer von 16 bis 5 Uhr morgens draussen herumlaeuft und von der Polizei erwischt wird, den erwartet eine Ausgangssperre von 1-3 Jahren – im Gefaengnis. Seit letztem Dienstag (dem 17.) gilt diese Regelung fuer die am staerksten betroffene Provinz Guayas, in der sowohl Guayaquil als auch Playas liegen und die Provinz Pichincha, zu der Quito zaehlt. Die Gastfamilien legen diese Ausgangssperre unterschiedlich streng aus. Isabel darf das Haus gar nicht mehr verlassen, Anik auch nicht, Antonia darf wohl noch vor die Haustuer. Ich darf eigentlich vor 16 Uhr wohin ich will, meine Familie ist demgegenueber sehr entspannt. Trotzdem verlasse ich das Haus eigentlich nur selten, mal um in den Cyber um die Ecke zu gehen, weil ich mich zurzeit um einen neuen Reisepass bemuehe, ansonsten nur wenn ich dringend einkaufen muss. So wie gestern… Da habe ich das erste Mal (nach 4,5 Monaten!) fuer meine Familie gekocht. Das erste Mal, weil ich vielleicht immer bisschen Angst hatte, dass es ihnen nicht schmeckt und deswegen nicht genau wusste, was ich kochen soll. Nach einer umfassenden Telefonkonferenz mit Antonia habe ich mich dann fuer Chili con Carne entschieden, damit macht man nie etwas verkehrt, erst recht nicht in einem Land, in dem Fleisch von der Wichtigkeit her nur knapp nach Gott kommt. Das war ein voller Erfolg, bisher ist meine Familie davon ausgegangen, dass ich nicht kochen kann, damit habe ich ihnen das Gegenteil bewiesen. Jetzt kann ich beim naechsten Mal experimentieren, der Vorteil an dieser taktischen Ueberlegung ist, dass sie (falls es ihnen nicht schmecken sollte) nicht davon ausgehen werden, dass ich nicht kochen kann und es ihnen deswegen nicht schmeckt, sondern dass es wohl am Essen liegen muss. Es ist generell sehr schwer etwas „Neues“ einzufuehren, da bei unbekannten Dingen eine generelle Grundskepsis herrscht. Meine selbstgemachte Erdnussbutter fand ich zum Beispiel toll, meine Gastmutter meinte schon vorm Probieren mit einem sehr sehr skeptischen Blick, sie haette ja noch nie Erdnussbutter gesehen und erst recht nicht gegessen. Einen (zugegebenermassen winzigkleinen) Bissen meines Erdnussbutterbroetchens spaeter, merkte ich schon an ihrem Blick, dass meine bis dahin wertvollste Errungenschaft durchgefallen war. Zur Erklaerung: es gibt hier im Mercado reine Erdnusspaste fuer einen Spottpreis von 50 ct die Tuete. Die Butter ist das teure. Aber alles in allem ist diese Kombination viel viel billiger als die fertige Erdnussbutter aus dem Supermarkt. Fuer das naechste Mal kochen schwanke ich zurzeit zwischen Haehnchen-Erdnuss-Curry (mit viel Koriander, an den habe ich mich naemlich inzwischen gewoehnt und man koennte sogar sagen, dass ich ihn in einigen Speisen fuer unersetzbar halte) und irgendwas typisch Deutschen. Vielleicht Bratkartoffeln mit Gurkensalat (oder Spinat) und Ei? Falls jemand Vorschlaege hat, nur her damit!

Die anderen Freiwilligen haben inzwischen fast alle das Land verlassen. Aus Galapagos sitzen noch Pau und Katha fest, hier auf dem Festland sind es nur noch wir Playas-Leute (mit Ausnahme von Mats, der uns vorgestern verließ, nachdem er zwei Naechte am Flughafen verbracht und auf einen Rueckflug gehofft hatte). Das heisst Antonia, Isabel, Anik und ich. Die anderen haben sich auch inzwischen auf die Rueckhollisten des Auswertigen Amtes eingetragen, ich nicht. Das haengt vor allem damit zusammen, dass mir ja mein Beutel mit Handy, Reisepass und Personalausweis geklaut wurde (wer es schon vergessen haben sollte). Ich habe bei der Botschaft in Quito einen neuen Reisepass beantragt, leider muss ich den persoenlich abholen. Da gerade keine Busse fahren bliebe nur die Moeglichkeit, mit dem Taxi zu fahren (von Playas nach Quito sind es ca. 10 Stunden Autofahrt) und das kostet um die 200$. Und ohne Reisepass kann ich nicht an der Rueckholaktion teilnehmen. Das heisst, dass mir gerade nicht viel mehr uebrig bleibt, als einfach zuhause auszuharren und abzuwarten bis man wieder uneingeschraenkt reisen kann – das hat mir uebrigens auch die Botschaft empfohlen. Ich verbringe meinen Tag also mit Essen, Schlafen, Fernsehen, Sonnen und Lesen. Da wird einem gar nicht mal so langweilig und die Tage gehen relativ schnell vorbei. Wegen der vielen organisatorischen Sachen, die gerade noch zu erledigen sind, gehe ich zusaetzlich morgens noch in den Cyber, natuerlich nicht ohne mich vorher und nachher ordentlich zu desinfizieren und genuegend Abstand zu allen Beteiligten zu halten. In dieser Zeit fange ich wieder an, mein Handy zu vermissen. Das neue Handy sollte ja eigentlich mit dem neuen Freiwilligen ankommen, genauso wie meine Bankkarte, nur leider ist der Freiwillige selbst nicht angekommen. Schade Marmelade, aber ich werds wohl ueberleben. Das Schlimmste ist wirklich diese Ungewissheit. Du sitzt in einem Land fest, hast keine Moeglichkeit eine Entscheidung zu treffen, ob du jetzt bleibst oder gehst (weil dir die Entscheidung mit deinem Reisepass genommen worden ist) und weisst auch nicht, ob sich die Situation in den kommenden Monaten verbessern wird. Fuer Ecuador ist die Coronavirus-Situation nicht nur wegen des instabilen Gesundheitssystems beonderns sch****. Alle Leute die in Playas im Tourismussektor taetig sind, zum Beispiel die Betreiber der Strand-Cabañas, sind auf den nationalen Tourismus aus Guayaquil angewiesen. Der ist jetzt fuer Wochen ausgesetzt, was bedeutet, dass diese Leute fuer Wochen kein Geld mehr verdienen und trotzdem Miete zahlen muessen. So ergeht es auch den zahlreichen Besitzern kleiner Restaurants und Bars, die alle geschlossen haben. Der Staat bietet zwar Nullzins-Kredite an, aber direkt geholfen ist den Leuten hier damit nicht. Und so sieht es nur in Playas aus. Wie ist die Lage dann wohl auf Galapagos, dem Teil Ecuadors, der eigentlich nur vom Tourismus lebt? Hier sind die Betreiber und Mitarbeiter von Tourismus-Bueros, Tauchschulen und eigentlich jeder anderen Einrichtung auf den internationalen Tourismus angewiesen. Die Langzeitfolgen einer solchen Krise sind in den armen Laendern wohl noch Jahre danach zu spueren, es trifft wohl die Aermsten wieder am schlimmsten. 

Ich hoffe, ihr bleibt alle schoen gesund, haltet die Ohren steif und esst viele Zitrusfruechte. Die enthalten Vitamin C und sind gesund, ausserdem schmecken sie gut (sind allerdings in Deutschland importiert – ein grosser Minuspunkt) 🙂 Moehren sollen auch gut sein, ausserdem Ingwer und Knoblauch. Alles zusammen empfehle ich aber nicht, ich glaube kaum, dass das im Smoothie schmeckt. Hier in Ecuador ist Ananas das Wundermittel.

Kleiner Funfact: die Taxifahrer desinfizieren sich und ihre Fahrgaeste aus Mangel an Desinfektionsalkohol mit dem selbstgebrannten und illegalen Guanchaca. Ich weiss jetzt nicht, wie funny das wirklich ist, aber es ist auf jeden Fall Fact.

 

Bis dahin mit sonnigen Gruessen, Aaron.

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